Donnerstag, 17. November 2005
Buy a Teacher: Abi-Probleme
Vorgestern bei der Bahnfahrt war mal wieder einer der Fahrten, bei denen es sich lohnt, seinen MP3-Player vergessen zu haben.
Neben mir setzten sich nämlich vier Sprösslinge eines Kölner Gymnasiums, die kurz darauf Besuch von einem Ihrer Lehrer bekamen und sich angeregt unterhielten.
Einer der drei Jungs ist nämlich wohl ein ganz intelligenter Schüler, in den letzten Zügen seines Abiturs. Er malte sich seine Noten bereits für den angestrebten NC von 1,5 als ausreichend aus, um später mal einem Medizinstudium zu fröhnen. Notentechnisch, so der angehende Schönheitschirurg, sei das ja alles auch kein Problem. In Fach A steht er eins, in Fach B auch, und was ihm nur sorgen mache, das seien die Abi-Klausuren. Nun, eine 1- oder 2+ zu erreichen stünde ja völlig ausser problematischer Frage, einzig brenzlig sei es, dass er in einem Fach eine 1+ erreichen müsse. Aber auch da sähe er keine Probleme, gemein wären eher die Punktabzuge bei Rechtschreibfehlern, die beim Abitur mit bis zu 3 Minuspunkten zu Buche schlügen.
In seinem Übereifer wurde der Aspirant nur von dem Lehrkörper ab und zu mit nickender Bezustimmung unterbrochen, bis dieser dann zur Tat schritt und seine Portion Senf auspackte.
Die Rechtschreibfehler, so der sich autorisierende Lehrkörper, seien natürlich ein Ärgernis. Er selbst sei ja staatlich geprüfter Legastheniker und wisse, wie ärgerlich Flüchtigkeitsfehler sein können. Überhaupt, ein Zentralabitur wie an der eigenen Schule, sei ja völlig unzumutbar. Lehrer hätten dort kaum Ermessensspielraum für die Benotung und auch bei der Aufgabenstellung nur wenig zu sagen -- aber dieses Zentralabi würde ja demnächst vielleicht eh geknickt werden. Dann könne man als Lehrer viel besser eingreifen und auch viel besser vorbereitend lernen. De facto ist also mit Abschaffung des Zentralabis eh mit wesentlich besseren Noten zu rechnen, nicht wahr.
Als ich an diesem Punkt also mein Amüsement über den strebsamen Schüler gerade verdaut hatte, schoss eine kleine Menge Ärger-Adrenalins in meine Blutbahnen ob dieser doch etwas verwundernswerten, positivistischen Einstellung des Lehrkörpers. Dass dies aber noch zu übertreffen war, konnte ich da natürlich noch nicht ahnen.
Neben mir setzten sich nämlich vier Sprösslinge eines Kölner Gymnasiums, die kurz darauf Besuch von einem Ihrer Lehrer bekamen und sich angeregt unterhielten.
Einer der drei Jungs ist nämlich wohl ein ganz intelligenter Schüler, in den letzten Zügen seines Abiturs. Er malte sich seine Noten bereits für den angestrebten NC von 1,5 als ausreichend aus, um später mal einem Medizinstudium zu fröhnen. Notentechnisch, so der angehende Schönheitschirurg, sei das ja alles auch kein Problem. In Fach A steht er eins, in Fach B auch, und was ihm nur sorgen mache, das seien die Abi-Klausuren. Nun, eine 1- oder 2+ zu erreichen stünde ja völlig ausser problematischer Frage, einzig brenzlig sei es, dass er in einem Fach eine 1+ erreichen müsse. Aber auch da sähe er keine Probleme, gemein wären eher die Punktabzuge bei Rechtschreibfehlern, die beim Abitur mit bis zu 3 Minuspunkten zu Buche schlügen.
In seinem Übereifer wurde der Aspirant nur von dem Lehrkörper ab und zu mit nickender Bezustimmung unterbrochen, bis dieser dann zur Tat schritt und seine Portion Senf auspackte.
Die Rechtschreibfehler, so der sich autorisierende Lehrkörper, seien natürlich ein Ärgernis. Er selbst sei ja staatlich geprüfter Legastheniker und wisse, wie ärgerlich Flüchtigkeitsfehler sein können. Überhaupt, ein Zentralabitur wie an der eigenen Schule, sei ja völlig unzumutbar. Lehrer hätten dort kaum Ermessensspielraum für die Benotung und auch bei der Aufgabenstellung nur wenig zu sagen -- aber dieses Zentralabi würde ja demnächst vielleicht eh geknickt werden. Dann könne man als Lehrer viel besser eingreifen und auch viel besser vorbereitend lernen. De facto ist also mit Abschaffung des Zentralabis eh mit wesentlich besseren Noten zu rechnen, nicht wahr.
Als ich an diesem Punkt also mein Amüsement über den strebsamen Schüler gerade verdaut hatte, schoss eine kleine Menge Ärger-Adrenalins in meine Blutbahnen ob dieser doch etwas verwundernswerten, positivistischen Einstellung des Lehrkörpers. Dass dies aber noch zu übertreffen war, konnte ich da natürlich noch nicht ahnen.
Denn dann fuhr der Lehrkörper fort, und erkundigte sich nach dem Namen der Deutschlehrerin des Abiturienten in spe. Frau Südfurcht, so der Jüngling, sei die sonst notentechnisch für ihn sehr angenehme Lehrkörperin, und er habe sich auch in der Rechtschreibung durchaus die letzte Zeit verbessert. Aber Wortendungen können in der Hast einer Abiturarbeit ja nicht überprüft werden, dies koste wertvolle Zeit.
Zustimmend schlug der anwesende Lehrkörper dann vor, man könne ja nicht nur auf das Lernen und Verbesserung der Schreibfähigkeit durch Erlernen eines Zehnfingertippsystems an der Schreibmaschine (ein Computer tut aufgrund seiner Verbindung Mensch-Monitor hier nichts gutes) auf sein Abitur einwirken, sondern vielmehr auch durch taktisches Geschick. Wie wäre es denn, so der Vorschlag, einfach die Frau Lehrkörperin mit in das Rechtschreibschwächeproblem einzubeziehen. Man würde sie bitten, sich des Zöglings anzunehmen und Übungen zur Verbesserung der Rechtschreibung anzugehen und so eine gesteigerte und vor allem öffentlich ersichtliche Verantwortung der Lehrerin hervorzurufen. Denn dann, so der Lehrkörper weiter, könne es ja schlichtweg in der Abiturprüfung zu keinen großen Punktabzügen kommen. Denn das wäre ja ein Eingeständnis der Lehrkörperin, dass ihre persönliche Hilfe nicht gefruchtet habe, und das sei dem Versagen gleichzusetzen. Und wer gibt sich schon gerne selbst die Blöße?
Der Zögling bedankte sich vielmals für diese taktische Einsicht der Streitmacht, und der Lehrkörper konnte fortfahren seine Individual-Taktik den anderen 3 Lehrwilligen nahezubringen. Dies sei gezielte Individualhilfe, stimmte der Lehrkörper fröhlich den funkelnden Schüleraugen zu.
Zu guterletzt plauschte man noch über den Unterricht von Fach C. Da sei der Lehrkörper ja schließlich eine Autorität, immerhin unterrichtet er selbst dieses Fach. Mit seinem Schülern habe er ja ein ganz einfaches und unproblematisches Abkommen getroffen. Solange die Schüler ihm Gehorsam und ein Mindestmaß an Unterrichtsteilnahme boten, könnte er ja einen garantierten Notenschnitt von 3,0 ansetzen. Die Bepunktung der Klausuren, so der Lehrkörper, liesse sich ja schließlich problemlos den Gegebenheiten anpassen. Man müsste lediglich die Bepunktung der einfacheren Fragen erhöhen. Auch wenn man dadurch negative Ausreißer nicht ganz mathematisch wegrechnen könne, sei es doch insgesamt eine sehr faire Angelegenheit.
Ah ja.
Als ich dann aus dem Zug stieg, musste ich erstmal verarbeiten, welch Frevels ich hier unschuldiger Zeuge wurde. Dass so einen Notenschieberei und Biegerei von Leistungen tatsächlich durchgeführt wird, ist doch absolut fragwürdig und rechtfertigt doch nur den Einsatz des Zentralabiturs. Gleiches Recht für alle - und gleiche Anstrengung für alle. Es sollte doch nicht ausschlaggebend sein, dass Schüler A sein Medizinstudium nur deshalb angehen kann, weil seine Lehrer im die Punkte beim Abitur hinterhergeschmissen haben?
Diese Dreistig- und vor allem Lockerheit des Lehrers hat mich in meinen Grundfesten erschüttert, und dann auch noch so kotfrech diese Sachen durch den Zug zutragen ist noch viel unverschämter. Fast bin ich versucht, doch mal einen Studienrat über die Geschehnisse an gewissen Schulen hinzuweisen, so dass die Bewertungen der Abiturnoten vielleicht auch auf Gerechtfertigkeit überprüft werden. Aber das trifft ja letztlich nur die Schüler, die davon eigentlich keine Schuld haben sollten.
Ich hoffe jedenfalls, dass dieser Lehrer nur eine Ausfallerscheinung war - denn mir ist in meiner Schulzeit so etwas betrügerisches von Autoritätspersonen nie untergekommen.
Zustimmend schlug der anwesende Lehrkörper dann vor, man könne ja nicht nur auf das Lernen und Verbesserung der Schreibfähigkeit durch Erlernen eines Zehnfingertippsystems an der Schreibmaschine (ein Computer tut aufgrund seiner Verbindung Mensch-Monitor hier nichts gutes) auf sein Abitur einwirken, sondern vielmehr auch durch taktisches Geschick. Wie wäre es denn, so der Vorschlag, einfach die Frau Lehrkörperin mit in das Rechtschreibschwächeproblem einzubeziehen. Man würde sie bitten, sich des Zöglings anzunehmen und Übungen zur Verbesserung der Rechtschreibung anzugehen und so eine gesteigerte und vor allem öffentlich ersichtliche Verantwortung der Lehrerin hervorzurufen. Denn dann, so der Lehrkörper weiter, könne es ja schlichtweg in der Abiturprüfung zu keinen großen Punktabzügen kommen. Denn das wäre ja ein Eingeständnis der Lehrkörperin, dass ihre persönliche Hilfe nicht gefruchtet habe, und das sei dem Versagen gleichzusetzen. Und wer gibt sich schon gerne selbst die Blöße?
Der Zögling bedankte sich vielmals für diese taktische Einsicht der Streitmacht, und der Lehrkörper konnte fortfahren seine Individual-Taktik den anderen 3 Lehrwilligen nahezubringen. Dies sei gezielte Individualhilfe, stimmte der Lehrkörper fröhlich den funkelnden Schüleraugen zu.
Zu guterletzt plauschte man noch über den Unterricht von Fach C. Da sei der Lehrkörper ja schließlich eine Autorität, immerhin unterrichtet er selbst dieses Fach. Mit seinem Schülern habe er ja ein ganz einfaches und unproblematisches Abkommen getroffen. Solange die Schüler ihm Gehorsam und ein Mindestmaß an Unterrichtsteilnahme boten, könnte er ja einen garantierten Notenschnitt von 3,0 ansetzen. Die Bepunktung der Klausuren, so der Lehrkörper, liesse sich ja schließlich problemlos den Gegebenheiten anpassen. Man müsste lediglich die Bepunktung der einfacheren Fragen erhöhen. Auch wenn man dadurch negative Ausreißer nicht ganz mathematisch wegrechnen könne, sei es doch insgesamt eine sehr faire Angelegenheit.
Ah ja.
Als ich dann aus dem Zug stieg, musste ich erstmal verarbeiten, welch Frevels ich hier unschuldiger Zeuge wurde. Dass so einen Notenschieberei und Biegerei von Leistungen tatsächlich durchgeführt wird, ist doch absolut fragwürdig und rechtfertigt doch nur den Einsatz des Zentralabiturs. Gleiches Recht für alle - und gleiche Anstrengung für alle. Es sollte doch nicht ausschlaggebend sein, dass Schüler A sein Medizinstudium nur deshalb angehen kann, weil seine Lehrer im die Punkte beim Abitur hinterhergeschmissen haben?
Diese Dreistig- und vor allem Lockerheit des Lehrers hat mich in meinen Grundfesten erschüttert, und dann auch noch so kotfrech diese Sachen durch den Zug zutragen ist noch viel unverschämter. Fast bin ich versucht, doch mal einen Studienrat über die Geschehnisse an gewissen Schulen hinzuweisen, so dass die Bewertungen der Abiturnoten vielleicht auch auf Gerechtfertigkeit überprüft werden. Aber das trifft ja letztlich nur die Schüler, die davon eigentlich keine Schuld haben sollten.
Ich hoffe jedenfalls, dass dieser Lehrer nur eine Ausfallerscheinung war - denn mir ist in meiner Schulzeit so etwas betrügerisches von Autoritätspersonen nie untergekommen.
Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag
Keine Trackbacks
Kommentare
Ansicht der Kommentare:
(Linear | Verschachtelt)
Allerdings, nur weil es "normal" ist, ist es noch lange nicht gut. Ich habe mich über Deinen Artikel jedenfalls sehr gefreut! Dem Abiturienten wünsche ich gute Lernerfolge und der in Frage stehenden Lehrerin die Fähigkeit, auch bei ausbleibendem Erfolg des Jungen objektiv zu bewerten.


















