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Samstag, 5. Februar 2005

Neil Gaiman: "American Gods" und "Neverwhere"

In meinem Eintrag Bücher gesucht habe ich ja dank einiger Leser meines Blogs zahlreiche Lesetipps erhalten.

Jetzt habe ich die ersten beiden dieser Tipps lesen können: Neverwhere und American Gods von Neil Gaiman.

Beide Bücher hauen halbwegs in die selbe Mystery-Surrealo-Krimiroman-Kerbe. Das eine fand ich extrem gut, das andere war ganz nett. Aber natürlich gibt's meine Meinung auch in ausführlich. :-)
In Neverwhere ist der Protagonist und Anti-Held des Buches Richard Mayhew. Dieser ist gerade nach London gezogen und hat sich mit der riesigen und anonymisierten Stadt gerade angefreundet, eine Verlobte gefunden und ist trotz seiner Verplantheit mit allem relativ erfolgreich.

Das änder sich schlagartig, als er eines Abends plötzlich eine obdachlose Frau auf die Straße fallen sieht, die aus dem nichts zu kommen scheint und verwundet ist. Der gute Mensch in Richard kann die Frau nicht einfach liegen lassen, also kümmert er sich um sie und bringt sie vor ihren Verfolgern in Sicherheit. Und ab da fängt ein surreales Abenteuer an, ganz im Stile von Alice im Wunderland: Richard erfährt, dass es eine gigantische "Subkultur" in London gibt. Obdachlose in einer Art "Underworld", die zwar in London existiert, aber für die normalen Menschen unsichtbar ist. So ergeht es auch Richard, der nämlich in dieser Welt verschwindet und seine gesamte Identität in der "Welt darüber" verliert.

Sein erklärtes Ziel ist es, der Frau namens Door zu helfen, die Mörder ihrer Familie zu finden, vor ihren Verfolgern zu entkommen - und letzten Endes natürlich wieder in seine gewohnte Welt zu finden. Dass das nicht ganz einfach wird und eine Menge übernatürlicher Gefahren und ein großes Abenteuer mit sich bringt, versteht sich von selbst....

Insgesamt war das Buch eine nette und abwechslungsreiche Lektüre, teilweise im Stil von Tim Powers The Anubis Gates. Das heißt, sehr viel Magie und Mysteriöses und alles ist beschrieben wie ein surrealer Traum. Leider gehen die Charaktere etwas in diesem Mysterium unter und wirkten für mich etwas flach und unmotiviert. Da wird zugunsten der Obskurität der Story leider viel Charaktereinsicht eingebüßt, so dass man sich mit dem Antihelden Richard nur schwerlich identifizieren kann. Das alles hätte für mich schon etwas tiefgreifender sein dürfen.


Nun also zum zweiten Buch, American Gods. Positiv fiel mir daran direkt auf, dass es doppelt so dick ist wie Neverwhere, und damit hatte ich Hoffnung, dass Neil Gaiman sich diesmal mehr Zeit für das Buch nimmt.

In diesem gibt es wieder einen leicht bedröppelten Anti-Helden namens Shadow. Weil er bei einem Banküberfall mithalf ist er zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach dem Absitzen der ersten 3 Jahre als stiller Gefängnisinsasse wird er frühzeitig entlassen, und freut sich auf die Rückkehr zu seiner geliebten Frau und einem einfachen Leben. Sein Mantras "Stay out of trouble" und "Jeder nur ein Kreuz", ähm, "Jeder trägt sein eigenes Kreuz" helfen ihm dabei, die Gefängniszeit sogar positiv abzuhaken. Bis er dann erfährt, dass vor seiner Heimkehr seine Frau in einem Autounfall stirbt. Auf dem Heimflug zur Beerdigung gerät er dann mit einem komischen Typen namens "Wednesday" zusammen, der ihn als Bodyguard anheuert.
Langsam, aber für den Leser sehr verwirrend, stellt sich heraus was es mit Wednesday und seinen Freunden auf sich hat: Alle sind personifizierte Götter, die sich ein letztes Mal aufbäumen wollen und gegen das Vergessen der amerkanischen Bevölkerung und deren neuen Göttern Internet, Medien, Globalisierung kämpfen wollen.

Und mittendrin steckt ein zurückhaltender, verwirrter und desillusioniert-depressiver Shadow, ohne Lebenssinn aber dafür mit vielen neuen Problemen.

In einem Stil, der Neverwhere doch recht ähnlich ist, wird so ein surreales Traummodell seines Road Trips ausgebildet, was mit vielen Intermezzos verschiedenste Göttermanifestationen und Minigeschichten einbindet: Von Odin über Thor zu Vishna, Mama-ji und alles, was an Götterwesen sonst kreucht und fleucht.

Shadows Verwirrung teilt so auch der Leser, und das fand ich an dem Buch so mitreißend: Man möchte wissen, was es mit alledem auf sich hat, versucht Querverbindungen herzustellen und zu verstehen. Man erlebt die Geschichte quasi als Shadow mit, und die Charakterisierung Shadows reicht gerade aus, um seine Motivation nachzuvollziehen aber trotzdem "im dunklen zu tappen".

Insgesamt war ich begeistert von der Grundidee des Buches, und auch die Ausführung fand ich sehr klever gemacht. Absolute Leseempfehlung, auch wenn Gaiman meiner Meinung nach einen ganz enorm großen Fehler gen Ende des Buches begeht:

QUOTE:

None of this can actually be happening. If it makes you more comfortable, you could simply think of it as metaphor. Religions are, by definition, metaphors, after all: God is a dream, a hope, a woman, an ironist, a father, a city, a house of many rooms, a watchmaker who left his prize chronometer in the desert, someone who loves you - even, perhaps, against all evidence, a celestial being whose only interest is to make sure your football team, army, business, or marriage thrives, prospers, and triumphs over all opposition.
Religions are places to stand and look and act, vantage points from which to view the world.
So none of this is happening. Such things could not occur. Never a word of it is literally true. Even so, the next thing that happened, happened like this:

Wenn ich ein Buch lese, weiß ich natürlich, dass das nur Fiktion ist. Trotzdem empfinde ich es als Atmosphärenkiller, wenn mir ein Autor das in belehrender Art mitgibt. Aber dieser Paragraph ist auch fast meine einzige Kritik an diesem Buch. Ansonsten weiß Gaiman mit einigen philosophischen Aussagen und Fragen durchaus die eigenen Gedanken anzuregen und fortzuspinnen.

Ein wunderbares Buch, was einen auch nach dem Ende beschäftigt.
Geschrieben von garvin in um 11:05 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
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Meine Freizeit nutze ich zur Entwicklung von Serendipity und phpMyAdmin - und (nicht nur) wenn ich genug von Computer habe, genieße ich das Leben mit meiner Freundin Emba im Kino, hinter der Fotokamera, daheim oder bei unseren Freunden. Und ein Gesicht habe ich auch:
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