Heute habe ich also Andy im imposanten Fraunhofer-Komplex besucht und dem W3C-Vortrag von Ivan Herman gelauscht.
In einem bei ca. 25 Grad eher weniger wohl-temperierten Raum tummelten sich gut 40 Leute, sicherlich die Hälfte davon Fraunhofer-Angestellte und einige andere Telekom und Uni/FH Köln-Angehörige.
Der gesamte Vortrag ist natürlich auch
Online verfügbar und enthält eigentlich nahezu 1:1 das, was Ivan in flüssigen, gut verständlichem und auch zügigem Englisch erzählte: Grundlagen und Eigenschaften von RDF, der theoretische Ansatz, praktische Umsetzung, Anwendungsbeispiele, Ausblick und Arbeitsgruppen des W3C.
Die Struktur des Vortrages war anscheinend wohl erprobt und schon öfter durchgeführt, dementsprechen professionell und gut eingeteilt ging das ganze auch von Ivans Hand; wie man an den Slides im Internet auch unschwer erkennen kann.
Fragen des Publikums wurden eher spärlich gestellt, und wenn dann wurde auch eher nur oberflächliche oder haarspalterische Themen angesprochen, die Ivan jedoch trotzdem mit viel Mühe beantwortete. Leider verstand ich die recht genuschelten Wortbeiträge des Publikums fast gar nicht.
Nun, eigentlich habe ich das, was ich über RDF sowieso schon grundlegend wusste, nur ausgebreitet erzählt bekommen; das ganze war doch eine eher grundlegende Einführung in RDF und Ontologies. Ivan legte besonderen Wert darauf, dass der Semantic-Web/RDF-Standard ein grundlegendes Prinzip darstellt, und die RDF/XML-Implementation nur ein Aufsatz ist -- das zumindest war mir vorher noch nicht so eindringlich bewusst gewesen.
Müßig empfand ich den detailierten Einblick über die RDF und RDFS-Einbindung mittels Tripels und sämtlicher etwas haaresträubender Ausnahmeregelungen um den XML-Code zu vereinfachen. Die armen Programmierer, die einen Parser für so etwas entwickeln müssen.
Der Teil über Ontologies (OWL) war, was die Weitsicht des semantischen Webs angeht, schon interessanter und vor allem auch visionärer. Dabei wird einem erst richtig klar, wie einsatzfern die Technik eigentlich noch ist: Die RDF-Technologie, Softwaretools und vor allem der praktische Einsatz ist noch in einem sehr frühen Stadium.
Einerseits weiß der typische Webentwickler von heute mit den etwas konkurrierenden RDF-Schemen und Syntaxen noch wenig anzufangen, da die Einbettung der Metadaten in Webseiten noch recht umständlich ist. Somit fragt man sich zurecht, wofür man das ganze derzeit mithilfe von OWLs und Co jetzt schon einsetzen soll.
Auf der anderen Seite fehlt es noch an sinnvollen Webservices, die RDF/OWL nutzen und dem Webentwickler einen positiven Nutzen versprechen. Diese können aber auch erst entstehen, wenn eine "kritische Implementationsmasse" erreicht ist und es eine breite Masse an Seiten/Datenbanken mit RDF-Metadaten gibt. Ein Teufelskreis.
Für mich ein großer bedeutender Nutzen für die "brave new world" ist wohl die Zusammenfügbarkeit von unterschiedlichen Metadatensätzen. Dank ihrer einheitlichen URI können mehrere Metadaten eine einzige Quelle dokumentieren und so unabhängige Recherchequalitäten bieten, oder durch Diversifizierung unabhängige "trusted sources" mit der Beurteilung eines Dokumentes erreichen. Eventuell ein guter Ansatz gegen Suchmaschinenspamming mit ungültigen Versprechungen über eine Seite.
Aber bis dahin gehen sicher noch viele Jahre ins Land und ich harre endlich einem ersten RDF/XML-Einsatz unabhängig vom RDF/RSS für Serendipity.
Spaß gemacht hat der Vortrag allemal, da er professionell und weitreichend gehalten war. Vom Lerneffekt ist jedoch nicht viel neues rumgekommen, aber da ich einen solchen Anspruch erst garnicht hatte, wurde ich auch nicht enttäuscht.